Ascona B 400 mit Gruppe 4 Rennmotor und Euro-Händler-Rallyelackierung. Ursprünglich sollten 400 Ascona 400 für den Straßenverkehr zugelassen werden, um die Homologation für den Rallyesport zu bekommen. Es wurden aber lediglich 268 Exemplare mit der imageträchtigen Bezeichnung Ascona 400 verkauft. Doris und Max Schmid fanden einen verbastelten 400er ohne Interieur und ohne Motor.

Das Typenschild der in perlmutt-weiß lackierten Karosse bestätigt die 400er Serie. Dieser Ascona fiel den Tuningsünden der Neunziger zum Opfer, in denen Originalzustand und vor allem werksseitige Lackierung verpönt war. Zudem wurden damals klassische Stufenheck-Limousinen mit Heckantrieb von Frontantrieblern im kompakten und Fließheck-Styling verdrängt. Der von den Schmids in Nürnberg gefundene 400er teilte das Schicksal einer zum Bastelobjekt degradierten Limousine,

Doris und Max sind Ascona-Fans durch und durch. Sie startete mit einem 2,0 Sport und Er hatte bereits einen 400er aufgebaut. Nun galt es, beiderseits ein Bastelobjekt zu neuem Leben zu erwecken. Zu den größten Tuningsünden der jüngeren Vergangenheit zählen die nachträglich eingeschnittenen Sonnendächer. Der Ascona kam nicht daran vorbei. In Luft aufgelöst hatte sich der originale 400er Motor, ein 2,4 l DOHC mit Bosch-Einspritzanlage, angegeben mit 144 PS. Ebenso fehlte die für den 400er typische Innenausstattung. Obwohl nach Abschleifen des damals szeneträchtigen Perlmutt der Spachtelkit rieselte, konnte man den Findling  nicht als Wrack bezeichnen. Die Basis erwies sich als Restaurationswürdig, selbst nachdem ein Unfallschaden zu Tage kam. Kotflügel, Haube und Dachhaut lassen, besser gesagt ließen sich damals dank des Volumenmodells Ascona B ziemlich einfach ersetzen. „Wir haben abgesehen von der gebrauchten originalen Kunststoffhaube weitestgehend Neuteile  verwendet. Keinen Spachtel aufgezogen, sondern wo notwendig, lediglich verzinnt“ versichert Doris den von Grund auf durchgezogen Neuaufbau der Karosserie.

Die Absicht einen originalnahen Zustand zu erreichen, endete spätestes bei der Lackierung und den Radgrößen. Obwohl es eigentlich nur den Kennern auffällt, gebührt diese Euro-Händler-Rallyelackierung mit ausschließlich gelben Streifen dem Breitbau. Die Lackierung der unverbreiterten Version war weiß, mit dunkelgrau, grau und gelben Diagonalen unterhalb der A-Säule und gleichfarbiges Pfeildesign auf der Haube. Ascona und 400 Aufkleber gab es nicht für Geld und gute Worte. An Hand von Fotos erfolgte deren Reproduktion. Bemerkenswert sind die Wischer für die Scheinwerfer, ein serienmäßiges Zubehör beim Ascona 400. Auf Wunsch konnte der Ascona mit 6×15 Zoll und 205/50 VR Bereifung geordert werden.

Die Zusammenstellung des originalnahen Innenraums dauerte einige Zeit. Nicht alles lagerte im Reservoir der Schmids, im Laufe der Zeit war jedoch die Kombination der Recaro-Sportsitze mit den beliebten  Kopfstützen und der im gleichen Layout gehaltenen Rücksitzbank komplett geworden. Auch die Verkleidungen an den Türen entsprechen dem Original. Nicht jedoch das 4-Speichen Sportlenkrad, da der Ascona B400 mit einem 3-Speichigen Volant ausgeliefert wurde. Die Instrumententafel mit vier Zusatzanzeigen erhielt er ab Werk. Aus Sicherheitsgründen verstärkte Max den Innenraum mit einem Matter-Alu-Überrollkäfig.

Zunächst installierte Max einen 2,2 Liter 8-Ventiler aus einem Opel Rekord. Bevor er jedoch seinen 400er Werks-Ascona wegen Aufgabe seiner Rallye-Aktivitäten veräußerte, rette er dessen Gruppe 4-Rennmaschine, wie sie auch von Opel im Motorsport eingesetzt wurde. Motortechniker Koch erklärte 1980 der Auto Motor und Sport: „Wir haben drei Basis-Varianten des Autos für die Weltmeisterschaft.“ Die erste Variante ist ein reines Asphalt-Auto, das fast die Charakteristik eines Renntourenwagens hat. Die zweite Version wird so präpariert, dass der Wagen ideal für europäische Schotter-Rallyes ist, die dritte soll für Brutal-Rallyes gebaut werden, für Material mordende Schlachten wie die Safari-Rallye in Kenia oder die Bandama-Rallye an Afrikas Elfenbeinküste. Alle für diese drei Varianten modifizierten Maschinen wurden bei Cosworth in England präpariert und leisten dank Gemischaufbereitung durch zwei 48er-Weber-Doppelvergaser 240 PS.

Diesen Ascona B 400 mit der Gruppe 4 Maschine zu fahren bedeutet viel Spaß zu haben. Bei den Friedenfels Classic sind die Schmids den Berg hinauf gehetzt, freilich nur im Materialschonenden Modus 2 mit selbst gesetzter Referenzzeit. Und warum nun H-Kennzeichen? Früher hatten die Schmids zwei 400er Asconas und einen C-Kadett. Geblieben ist die lebende Legende.

Opel Ascona B 400 (1981)

Motor:  Vier-Zylinder Reihenmotor, 2420 ccm, DOHC, 16V, (Gruppe 4 Rennmotor mit Phase 2), 48er Weber Doppelvergaser, Mahle Schmiedekolben, Auspuff: 400er Fächerkrümmer, Irmscher-Sebring Anlage, Leistung (max):  240 PS

Kraftübertragung: 5-Gang Getrag-Sportgetriebe (1.Gang unten links), 9″ Einscheiben-Trockenkupplung

Vorderachse:  Einzelradaufhängung mit Doppel-Querlenkern, Hinterachse: 75%ige Sperre

Fahrwerk (va/ha): Mattig Federn 40mm, Koni Dämpfer

Felgen (Herst./Größe): Ronal Felgen, 400er Stern / 8 x 15 ET23

Bereifung (Herst./Größe): Fulda Y-2000, Pirelli/ 205/50 VR15, 225/50 VR15

Bremsen(vo/hi): Scheibenbremsen mit innenbelüftete Bremsscheiben/ Scheibenbremsen

Weitere Extras: Rückbau  Originalnahen Zustand außer Lackierung (Breitbau), Kunststoffhaube mit Windsplit (Original) , Engelmann Spiegel, Original 400er-Heckspoiler

Interieur: Recaro-Sportsitze, 4-Speichen Opelsportlenkrad, Matter Alu-Überrollkäfig

Text & Fotos: Heinz Bauriedel für Opel Flash 2/2016 – reloaded für Tuningcars am 11. April 2021