In der nördlichen Oberpfalz so scheint es, gilt ein 3-Liter 24V als Standardmotorisierung eines Manta B. Besucher der Treffen in Oberwildenau bei Weiden mögen jetzt eifrig mit dem Kopf nicken. Auch Christian Müllers Manta beherrscht das Spiel der Kräfte, zudem die Maschine in seinem Rochen einst einen EVO 500 vorantrieb. Mit der Einzelradaufhängung des BMW M3 (E30) besitzt der Manta eigentlich das Zeug zum Rundstreckler.

„Motorsport, das war früher mal“ trauert der Kfz-Meister seiner ehemaligen Leidenschaft nach. In einem mit 3-Liter Motor befeuertem Ascona B tobte er sich bei Motorcross-Veranstaltungen aus und ließ zur Freude der Zuschauer die bärenstarke Limousine so richtig fliegen. „Fährst du quer, siehst du mehr“, lautete sein Motto. Die Zeit ist der größte Feind des Tüchtigen. Das Meiste davon gehört heute seiner Kundschaft. Doch wie begann eigentlich Christians Leidenschaft für Manta ?

Beim ihm spielte der ex-Freund der Schwester ersten Beeinflusser in Sachen „will Manta haben“ und freilich auch die beiden den Manta-Kult fördernden Filme. Der Schwester Freund kurvte fast täglich mit seinem Rochen vor Christians Augen herum und so wuchs der Wunsche nach einem Eigenen. Vor über 18 Jahren war es dann soweit. Gut erhalten, fast rostfrei und relativ wenige Kilometer auf der Uhr, ruckzuck war der einst graue Manta B seiner.

Lediglich an der Fahrertür versuchte ein kleiner Rostfleck aufzublühen, ohne jedoch größere Chancen dafür zu bekommen. Obwohl die Zeit zum optischen Umbau da gewesen wäre, sollte der Manta äußerlich originalnah bleiben, was allerdings nicht die Breite an der Hinterachse einschließt. In Erwartung von 9,5×17 Zoll Schmidt TH Line gewann das Auto um ungefähr 5 cm an Breite durch Ziehen der Seitenteile und Anschweißen tiefer angesetzter Radläufe. An der Vorderachse blieb es beim Ziehen der Kotflügel. Die Investition in Geld, doch vor allem in Zeit, spielte sich am Unterboden ab.

Beide Unterbodenbilder stammen aus dem Archiv von Christian Müller

In Serie besitzt der Manta eine ungeteilte Achse, wie Starrachsen gerne umschrieben werden. Christian baute die Bodengruppe soweit um, dass die Hinterachskomponenten inklusive der Bremsanlage des BMW M3 Typ E30 verwendet werden können. Und wie kommt man dazu, ein Gewindefahrwerk des VW Polo 6N vorzuziehen? Das beruht auf praktische Erfahrungen in der markenoffenen Werkstatt sowie Fahrwerke vergleichen und ausmessen“. Vorne wird’s schon fast zu einfach: Mattig Federn und Dämpfer wie bei tausenden von anderen Fahrzeugen auch. Die BMW-Bremsanlage limitiert die Auswahl der Räder auf mindestens 17 Zoll, womit die 8,5×17 sowie 9,5×17 Schmidt TH Line in der Höhe nicht unterboten werden können.

Die Chronologie der Motoren ist typisch für Motoren in der Opel Szene. Der serienmäßige 2 Liter mit 110 PS, zu seiner Zeit ein überdurchschnittlich starkes Triebwerk, verblieb nur ein Jahr lang im Manta. Es folgte ein 2,4 Liter mit Weber Doppelvergaser, aber das nur solange, bis ein Bekannter den Motor seines Omega EVO 500 verkaufte.

Dem EVO-Triebwerk nicht genug folgte Motortuning im klassischen Sinn: Strömungsoptimiert gefräster Zylinderkopf, 276 Grad Sportnockenwelle, bis zu 10000 Umdrehungen feste Haarschaftpleuel, komplett selbst gebaute Fächerkrümmer und Auspuffanlage, um nur einige von vielen Punkten aufzuzählen. Alle getroffenen Maßnahmen wurden dem auf 8500 Touren programmierten Steuergerät verpetzt. Allerdings ist bis dato die Leistung noch nicht gemessen worden, sollte jedoch bei geschätzten 250 PS liegen. Im Zuge des Umbaus erhielt die Karosse aktuelles Schwarz

Getriebetechnisch greift man im Landkreis Tirschenreuth gerne nach Japan. Wie in Stockls flachen Kadett C kommt das 6-Gang Getriebe des Lexus IS200 in Verbindung mit der Kupplung des Celica Turbo zum Einsatz. Springen wir schnell noch mal zurück zu BMW. Der Kühler stammt vom E36, weil größer und dennoch kompakter, da der Ausgleichsbehälter sich im Kühler befindet

Das geschüsselte und mit Wildleder bezogene QSP-Lenkrad ist griffig beim Driften, erfahren wir. Wegen des Lexus-Getriebes erhält der Tacho aus dem Geber in der Hinterachse digitale Signale, die jedoch analog anzeigt werden. Da der Manta nicht aktiv im Motorsport eingesetzt wird, darf der Heigo Überrollkäfig aus Aluminium verwendet werden. Wunderbar fügen sich die neu aufgepolsterten und bezogen originalen GSI-Sitze in das sportliche Gesamtbild des Interieurs ein. So gliedert sich Christians Manta optimal in die Serie der 3 Liter Opels aus der Oberpfalz ein

Opel Manta B GSI (1986)

Motor: 3 Liter 24 V (aus EVO 500), K&N Luftfilter, Kühler BMW E36, modifizierter Irmscher Zylinderkopf (strömungsgünstig gefräst), dbilas-Sportnockenwelle 276 Grad mit 10,4 Ventilhub und mit verstärkten Ventilfedern, Haarschaftpleuel, Steuergerät umprogrammiert

Auspuff: Fächerkrümmer Eigenbau, 200 Zellen Kat, 3-Zoll Anlage Eigenbau, je 1 Mittel- und Endschalldämpfer

Leistung (max): 250 PS (geschätzt)

Kraftübertragung: 6-Gang Lexus IS200, Kupplung Toyota Celica Turbo (ST185)

Vorderachse: Serie mit verstärkten Dreieckslenker

Hinterachse: Einzelradaufhängung BMW E30 M3

Fahrwerk: va. Mattig Federn und Dämpfer, ha: Koni Gewindefahrwerk Polo 6N II

Felgen: Schmidt TH Line, 8,5×17, 9,5×17

Bereifung: Hankook, 205/40×17, 225/35×17

Bremsen: va: Brembo 4-Kolben Anlage, Bremssattel Porsche 968, Scheiben 305×30 mm Fiat Punto Abarth ha: innenbelüftete Bremsscheiben 294×18,9mm BMW M3 E30

Weitere Extras: Seitenteile hinten bearbeitet (5cm verbreitert), Kotflügel gezogen, Mattig-Nachbau Frontspoiler

Interieur: geschlüsseltes und mit Wildleder bezogenes QSP-Lenkrad, Maustech-Digitaltacho mit analoger Anzeige, originale Manta-Sitze aufgepolstert und geledert, Heigo Alu-Überrollkäfig,

Danksagung: Frau Susi, Tobi, Hias, Stöckls Markus

fotografiert bei Classic Love Schleiz am 4. September 2021 (Klick auf Manta)
Der Artikel über Christian Müllers Manta hätte eigentlich in Opel Scene Flash 3 oder 4/2022 erscheinen sollen. Leider wurde das Magazin im Frühling dieses Jahres (vorübergehend?) vom Markt genommen

Text & Fotos: Heinz Bauriedel