Seit dem Jahr 2000 lagerten die Einzelteile des Manta A in einer Garage. Nachdem Jens den endgültigen Beschluss gefasst hatte, das Auto nie mehr aufbauen zu wollen, setzte er ein Inserat in die Tageszeitung: „Hobbyaufgabe Manta A, zerlegt aber komplett“. Burkhard „Bucky“ Theiss erscheint als Erster am Tatort.

Der ehemals weiße Manta A Breitbau war in der fränkischen Opel Szene kein Unbekannter. Jens besuchte mit seinen Kumpels bekannte Opeltreffen unter anderem in Oberwildenau, Oberbibrach und am KTM Ring im Landkreis Wunsiedel. Vor ungefähr 15 Jahren fasste er den Beschluss, den Manta A in Ziegelrot umlackieren zu lassen und er begann nach seinen letzten Treffen der Saison 2000 mit der Demontage der Karosserie. Den Lackierer hat das Auto nie gesehen. Selbst von trockener Lagerung werden Teile nicht besser und außerdem ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem die Hemmschwelle der Trennung überwunden ist: „Raus aus der Garage damit“ beschloss er. Stellen wir uns also vor: Interessent Bucky steht vor einer, abgesehen vom Motor ausgeweiteten Karosse und einem Berg von angesammelten Ersatzteilen, teilweise in dreifacher Ausführung.

aus Opel Flash 10/2006: Anstatt Rekord C nun Manta A
aus Opel Club & Trend 2/1998: Calibra vor dem Rekord C

„Einen Manta A wollte ich doch schon immer“ schießt es durch seinen Kopf. Vor zehn Jahren lief ihm anstatt einem Manta der charmonix-weiße Rekord über den Weg, den er zum Projekt „Commkord“ aufbaute. Doch nun war es soweit: Dieser Manta A in Teilen war die Gelegenheit schlechthin, vor allem auch deshalb, weil der Preis nicht aus dem Rahmen fiel. Gekauft! Die Winterarbeit 2011/12 konnte in Angriff genommen werden.

Manchmal wird bei vergleichbaren Inseraten von versteckten Mängeln oder fehlenden Teilen erzählt. Der weiße Manta bewegte sich absolut im Grünen Bereich. Bastlerisches Geschick ist bei derartigen Projekten Grundvoraussetzung.  Wegen sportlicher Einsätze hatte Jens die Umrüstung des Tanks von A auf B vorgesehen. Beim Manta A liegt der Behälter im hinteren Aufprallbereich, im Manta B geschützt hinter der Rücksitzbank. Loch und Einfüllstutzen hatte Jens bereits vorbereitet. Buggys Aufgabe lag in der Fixierung des Tanks und den Anschlüssen. Das für Slalom optimal ausgerichtete  Viergang-Getriebe fand keine Verwendung mehr. Der Beschaffung eines 5-Gang Getrag-Getriebe folgte die Erweiterung des Getriebetunnels, da der Manta A stets mit dem weniger umfangreichen 4-Gang Transmission ausgeliefert wurde. Zudem sitzt der Ganghebel des Viergangs vorne unter dem Radio. Der Hebel des Fünfgangs erfordert einen neuen Durchlass am Auslauf der Mittelkonsole.

In diesem verjährten Zustand konnte der Motor nicht bleiben. Buggy zerlegte die vormals in einem Kadett C eingebaute 2,2 Liter-Maschine, die bereits der Vorbesitzer des Vorbesitzers mit einem 2 Liter Zylinderkopf und klassischem Tuning bestückt hatte. Neben neuen Lagern und Dichtungen legte Bucky Wert auf einwandfreies Arbeiten der Einspritzanlage. Der Zahn der Zeit nagte an den Einspritzdüsen und Abdichtungen, die einen ziemlich porösen Zustand angenommen hatten. Einzig noch zulösendes Problem ist das Ansaugen von Öl, was im kalten Zustand enormen Qualm produziert.

Kein vergammeltes Blech, keine versteckten Rostnester, der Zustand der Karosse verlangte lediglich Vorbereitungsarbeiten für den Held der Lackierpistole. Karosserietechnisch steht der Manta mit seiner Mixtur aus Leidinger und Irmscher Verbreiterungen genauso da wie damals, nur eben in Lila-Perleffekt. Gut, die Mattig Stahl Sportfelgen mussten edlen Leichtmetallern weichen. Das BBS-Räderwerk beschaffte sich Bucky bei seinem Cheffe Jürgen „TEV“ Döbereiner, der ehemals auf einem Volkswagen montierte 6×15 Zoll Rennsportfelgen auf 9×15 Zoll umschüsselte. Manche übernehmen nur die szeneweit beliebten Scheinwerfer des BMW E30. Bucky übernahm die kompletten Konsolen der  original schwarzen Doppelscheinwerfer, was einen wesentlich höheren Aufwand verursacht.

Das aus Mattig-Federn und Koni-Dämpfern bestehende Sportfahrwerk macht seinem Namen alle Ehre, doch vor allem ist Buggy von der 40%-gesperrten Hinterachse begeistert. Wen interessiert Endgeschwindigkeit, wenn der Antritt aus unteren Touren und Kurvenfahrten zur absoluten Gaudi werden. Dazu trägt auch der Innenraum teil, wenn auch das 28er Raid Sportlenkrad eine Spur zu klein geraten ist. Ein 32er Durchmesser liegt praktisch schon bereit zu Einbau. Der Heigo Käfig und der leer geräumte Heckraum wurden 1:1 vom Vorbesitzer übernommen. Nicht die Sitze, denn das Gestühl Marke „wird nicht verraten“ sind Beutestücke der Motorshow Essen. Kontrollfunktionen über die vier in einer eigenhändig gebauten Mittelkonsole aus. Die Konsole für den versetzen Ganghebel entstand ebenfalls in Eigenbauarbeit.

Der Kampf um das 07er Kennzeichen wäre wegen der Lackierung fast verloren gegangen. Ein Prüfer mit Durchblick bestätigte dem Manta-Klassiker einen hervorragenden technischen Zustand mit zeitgenössischen Tuningmaßnahmen, die bereits vor über 30 Jahren eingetragen wurden. Die Farbe spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, meinte der Prüfer. So rettet man Klassiker der 70ies

später wurde von Einspritz- auf Vergaseranlage umgebaut (.. und irgendwo muss ich ein Bild davon haben)
beim Tuningtreffen im September 2013 wurde halb Himmelkron vom Manta eingenebelt

Opel Manta A (1972)

Motor:  2,2 Liter Block mit 2 Liter Zylinderkopf, Bosch LE Jetronic, Zylinderkopf poliert, 304 Grad Nockenwelle

Auspuff: Jetex Fächerkrümmer und  Sportauspuff (61 mm), Manta B Endtopf, 70er Endrohr (angeschweißt)

Leistung (max): 150 PS

Kraftübertragung: 5-Gang Getrag

Vorderachse:  Steinmetz Sport-Stabi, PU-Buchsen an beiden Querlenkern

Hinterachse: gesperrt um 40 %, 3,89er Übersetzung, Steinmetz Sport-Stabi, PU-Buchsen an Längslenkern

Fahrwerk:  Mattig Federn, Koni Dämpfer 12-fach verstellbar

Felgen (Herst./Größe): umgeschüsselte, 2-teilige BBS Rennsportfelge/ 9×15 ET 3

Bereifung (Herst./Größe):  Nexxen CP641 / 225/50×15 

Bremsen(vo/hi): 246er Scheiben (Lleidinger) / Trommeln

Weitere Extras: Leidinger TE Verbreiterungen (vorne), hinten Irmscher (nachträglich rund ausgeschnitten), KHG-Design Heckspoiler (aus Lenk-Katalog), BMW E30 Scheinwerfer in BMW-Konsolen, Englmann Rückspiegel, Lila-Perleffekt, Haube Carbonfolie (Tuning Team)

Interieur: GT/E Instrumentarium, Mittelkonsole Eigenbau mit 4 Zusatzinstrumente, 28er Raid Lenkrad, No-Name Sportsitze, Schroth-Hosenträgergurte, Heigo Käfig

Text & Fotos: Heinz Bauriedel für Opel Flash 04/2014, reloaded für Tuningcars am 20. Juni 2021